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"Dann laufe ich eben noch einmal gegen die Wand"Michael Thurk wurde beim FC Augsburg nach dem Aufstieg in die Bundesliga ausgemustert. Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht der Stürmer über neue Ziele in der Dritten Liga.Michael Thurk, Anfang des Jahres unterschrieben Sie einen Vertrag beim 1. FC Heidenheim. Ist Ihnen der Wechsel in die Dritte Liga schwer gefallen?

Nein, eigentlich nicht. Ich wollte in der Region bleiben und weiterhin Fußballspielen, da hat mir dieses Angebot natürlich sehr gut in den Kram gepasst.

Fühlen Sie sich denn betrogen um ein gebührendes Ende Ihrer Karriere?
Sicherlich war das letzte halbe Jahr keine schöne Zeit für mich. Ich habe das aber mittlerweile gestrichen aus meinem Kopf und blicke wieder nach vorne.

Vor Ihrem Wechsel spielten Sie dreieinhalb Zweitligaspielzeiten für den FC Augsburg, erzielten 51 Tore in 104 Spielen.Nach dem Aufstieg in der vergangenen Saison wurden Sie jedoch vom Verein suspendiert. Sahen Sie dieses Ende kommen, oder traf Sie diese Entscheidung völlig unvorbereitet?

Ich wurde von der Entscheidung total überrascht. Die Vorbereitung lief gut –, und dann das.

Die Klubführung nannte in einer Email an die Vorsitzenden der Fanklubs folgende Gründe: „Michael Thurk ist in den Augen der Teamleitung ein Quertreiber, der Schwierigkeiten macht, sobald es nicht nach seinen Vorstellungen läuft.“

In erster Linie hatte meine Suspendierung ja sportliche Gründe. Als das von der Öffentlichkeit dann aber nicht abgenommen wurde, sah man sich wohl unter Druck gesetzt. Ich kann diese Aussagen nicht nachvollziehen.

Sind Sie denn ein Quertreiber?

Ich habe meinen eigenen Kopf, das ist wohl richtig. Aber ich muss ja auch nicht alles gut finden, wenn ich der Meinung bin, dass es nicht gut ist. Ich bin kein Ja-Sager, und dass war in Augsburg anscheinend nicht mehr erwünscht.

Kann ein einzelner Spieler einem Mannschaftsgefüge denn derartig schaden, dass man trotz Vertrages lieber auf seine fußballerischen Qualitäten verzichtet?

Das passt alles nicht zusammen. Ich war in der Mannschaft sehr beliebt und als es Wochen vorher noch um den Aufstieg ging, war ich auch sportlich ganz, ganz wichtig, dann war Urlaub. Aber gut, für mich ist die Sache vom Tisch, ich habe jetzt neue Ziele.

Welche Rolle spielten Sie nach Ihrer Suspendierung für die Mannschaft? Waren Sie für Ihre Mitspieler so etwas wie ein Oliver Kahn bei der WM 2006?

Ich hatte gar keinen Zugang mehr zur Mannschaft. Manchmal ist jemand zu mir nach Hause gekommen, oder wir haben uns zum Mittagessen getroffen. Aber mehr Einfluss hatte ich nicht auf die Mannschaft.

Wann haben Sie realisiert, dass der Trainer mit allen Konsequenzen zu seiner Entscheidung steht?

Ich selbst wollte ja in Augsburg bleiben. Ich habe im Sommer die Wechselfrist verstreichen lassen und immer wieder betont, dass ich zurückkommen würde, wenn man mich braucht. Vor der Winterpause habe ich dann aber gemerkt, dass es nie dazu kommen wird.

Sie wurden nicht nur aus der Mannschaft geworfen, sondern Ihnen wurde auch zugleich die Teilnahme an jeglichem Training in Augsburg verboten. Warum haben Sie von einer Klage beim Arbeitsgericht abgesehen?

Es war für mich nie eine Option, gegen den Verein vor Gericht zu ziehen. Ich hatte in Augsburg eine wunderschöne Zeit, dass wollte ich mir mit einer Klage nicht kaputt machen.

In der Folge saßen Sie in Augsburg – obwohl das niemand von Ihnen verlangte – bei jedem Heimspiel auf der Tribüne, fuhren der Mannschaft sogar zu den Auswärtsspielen hinterher. Warum?

Ich interessiere mich nun einmal für Fußball und wollte meine Mannschaft dadurch unterstützen.

Wie oft haben Sie als Zuschauer gedacht: „Den hätte ich jetzt aber gemacht!“?

Nicht so oft wie Leute mich darauf angesprochen haben (lacht). Ich habe daran nie einen Gedanken verschwendet.

Im Dezember sagte Walther Seinsch (Vorstands-Vorsitzender des FCA) dann vor laufender Kamera: „Thurk ist ein Straßenköter. Auch verbal und auch in seinem Selbstbild.“ Haben Sie für solche Aussagen eine Erklärung?

Nein, gar keine.

Wie groß ist der Imageschaden nach solchen öffentlichen Beleidigungen?

Ich denke, mein Imageschaden hält sich in diesem Fall in Grenzen.

Eigentlich hatte der Fußballbetrieb in Deutschland nach etlichen Depressions- und Burnout-Fällen ein Umdenken im Umgang miteinander angekündigt. Konnte Seinsch, Ihrer Meinung nach, zu diesem Zeitpunkt sicher sein, dass Sie seine Aussagen verkraften werden?

So sollte man in den Medien nie übereinander sprechen. Walther Seinsch selbst hatte sich ja gerade erst wieder erholt von Depressionen, da hätte ich schon etwas mehr Fingerspitzengefühl erwartet. Aber er ist ja alt genug –, und am Ende muss jeder für sich für seine Worte gerade stehen.

Gab es denn Hilfestellungen seitens der sportlichen Führung, die es Ihnen erleichtert haben, mit der plötzlichen Suspendierung umzugehen?

Nein. Mir wurde gesagt, ich dürfe nicht mehr am Training teilnehmen und sollte zusehen, dass ich mich selbst fit halte.

Sie waren eine komplette Hinrunde zum Außenstehenden degradiert. Hat sich dadurch Ihr Blick auf den Profifußball nachhaltig verändert?

Ich werde weiterhin der sein, der ich bin. Und auch durch diese Suspendierung werde ich mich nicht von meinem Weg abbringen lassen. Für Ja sagen und abnicken bin ich der Falsche, dann laufe ich eben noch einmal gegen die Wand, mein Gott.

 
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